Liebe

Mai 2018

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Kabale und Liebe (Friedrich Schiller)

Für viele ist die Liebe ein komplettes Mysterium. Dabei ist sie so vorhersagbar.
(John Gottman, Mathematiker und Psychologe)

„Die Liebe?“
„Eine Illusion.“
(Oscar Wilde)

Liebe – sagt man schön und richtig –
ist ein Ding, was äußerst wichtig.
Nicht nur zieht man in Betracht,
was man selber damit macht,
nein, man ist in solchen Sachen
auch gespannt, was andere machen.
(Wilhelm Busch)


Verführt

Ich habe meine Haut verloren
an dich,
einst zwischen Regentonnen
und meuterndem Durst.

In der Sonne zerlaufen
ist meine Gestalt,
und meine Farben konnte ich
nicht länger tragen.

Wenn ich deinen Windatem höre,
ströme ich
in letztem Winterrot.

<© Sigune Schnabel>


liebeüben

am boden fängt die liebe an
ich wasche dir die füße
ich putze uns den boden
ich schwebe zu weit oben

ich ich ich ich ich ich ich
umkreiseschleifen egoich
angst gier macht im aussen
verhärtet sich verlaufen

große show theater
inwendig seelenmarter
liebe nur im selbstbezug
verengt liebloser selbstbetrug

hochmütig herz erhoben
ich schwebe zu weit oben
am boden fängt die liebe an
ich wasche dir die füße

<© Simon Felix Geiger>


Minnesang

Was auch immer aus den Händen gleitet
Setzt ihr die Krone aufs Haupt
Und ein Diadem aus Sternenglanz soll sie schmücken

Die schönsten Rosen legt ihr zu Füßen
Besingt sie und schreibt die Worte nieder
So soll sie wachsen und niemals enden

<© Sabine Fenner>


Abendsonnensee

Wenn ein Wind die weichen müden Lippen küsst,
des Himmels Röte darauf eingefangen,
Schilfrohrflüstern längst des Tages Lied vergisst
mit seinen Strophen, die dabei erklangen,
und das Wasser, das sonst lebhaft tanzend ist
nach zartem Kräuseln mag nur noch verlangen,
genieß ich diesen Augenblick zu spüren –
im Abendlicht den Frieden zu berühren.


<© Elke Kaminsky>


honigtage

und wenn wir uns wiedersehen
(nach eintausendundzwei jahren)
legst du mir
mit dem maiwort
dein leuchten ins haar
(und das herz wird
zerspringen)

<© Diana Jahr>


Familie

Ich liebe es wie wir uns lieben
und dass jeder den anderen nimmt wie er ist.
Von Gott gewollt, welch Mischung an Herzen.

Ein Sturm kann uns nichts anhaben,
wir halten uns aneinander fest.

Erfreuen uns an der Schönheit des Regenbogens,
wenn sich alle Farben treffen.

Ein starkes Band verbindet uns,
es ist in Liebe all die Jahre gewebt.
wir sind eine Familie.

<© Xenia Hügel>


Liebe

Als ich die Liebe beim Namen nannte
verbarg sie sich

Als ich das Glück be-greifen wollte
zerfaserte es in meinen Händen

<© Barbara M. Hauser>


Augenblicke

Aus tiefster Zuneigung
erhebt sich das Empfinden
mit sanften Flügelschwüngen
in unsere Augenblicke

<© Silbia>


In jeder Stadt

Gefunden habe ich sie in jeder Stadt.

Loslassen wollte ich sie nie.

Aufbruch. Neubeginn. Heimatlos.

Liebesentzug.

Mit rosaroter Brille losgezogen.

Enttäuscht durch Illusionen.
Farbenblind. In Grau getränkt.
Heimweh nach Liebe.

Brille ausgezogen.

Das Herz neu geöffnet.

Freundlichkeit entdeckt.
Der Liebe begegnet.

Mein Herz geteilt.
Mit neuen Weggefährten.
Gelacht. Geweint.
Liebe gelebt.

<© Julie Greiner>


Zweiklang

über jede ferne hinweg
mich in deinem lächeln spiegeln

schwebend und leicht

meine blicke durch die jahre
in deine augen schicken

sanft und zärtlich

mit meinen lippen
deine falten glätten

stimmlos und schön

im traum dich flüstern hören
von einer uralten liebe

weich und warm

im zweiklang den atem spüren
auf immer noch brennender haut

mutig und frei

die angst zur seite schieben
über dich und mich hinaus

herz an herz

dem leben nachschauen
bis an das ende unserer zeit

<© Jörg Zschocke>


döllacher elegie (tauern und tage)

wir gehen über haut
andere vergnügungen gönnen wir uns
nicht mehr
dein gesicht liegt
eingebettet zwischen moränen

du schmiegst dich in die landschaft
grün feucht und kalt
blättert haut auf
wie rinde oder schiefer

das moos auf den steinen
könnte von uns sein
erinnerung an ein tal
einen felssturz damals
und stimmen aus dem gebirge

wir gehen an den fluss
haut an haut
und tauschen worte gegen zitronenfalter
unsere körper fließen mit den silben
durchsichtig wie flügel im licht

<© Werner Weimar-Mazur>


heimkommen

wollen wir
einer im anderen
und das meer umspült uns
mit seiner ewigkeit

sie ist nichts für uns
wir sind die begrenzten
mit wurzeln tief im salz

dennoch – die tür am ende
steht weit offen
und der stete wind trägt
ein lachen herbei

heimkommen
wollen wir
einer im anderen

<© Isabella Kramer>


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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Silbia sagt:

    Dies ist ein feiner Reigen mit schönen Liebesperlen!

    Beste Grüße,
    Silbia

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