Schnee

Januar 2018

Schnee

Dunkelheit über dem Land. Kalter Wind rüttelt an der Tür.

Fensterblicke auf die Welt. Und nur manchmal die Sonne.

Doch wir wissen: Die Knospe schläft nur. Der Schnee schützt sie gegen die Kälte.


Schnee

Farbe blättert
von dem Labyrinth der Jahre.
Du sitzt im Schatten der Mauer
und hörst nicht mehr das Meer
gegen Felsen schlagen.
Mit dem Wind wirft die Erde
Fragen auf,
die dunkler werden
wie das Laub.
Nur der Himmel
leuchtet noch wolkenlos,
und glatt
fällt der Tag von den Lippen.

Wenn du mich findest,
bin ich vielleicht schon Schnee.

<© Sigune Schnabel>


Winterdepression

Wer singt jetzt die Lieder
…reiht die Sternenkette
Liebkost den Mond
Wenn sein volles Gesicht
Er zu verbergen weiß
Wer, ja wer…
Streicht den Wind aus den Haaren
Küsst den Mund…

So still fallen erste Flocken

<© Sabine Fenner>


der schnee weiß

und die sterne fallen tiefer
in den aufgefalteten blick

seen fügen sich
zu wiesen, tiefgründig
selbst im winter
weidenweich
zwei hügel

du bist die landschaft
die mich berührt
die mir meinen namen gibt

<© Diana Jahr>


Schnee

Ich schreibe dir.
Auch ohne dich
ist das Herbstlaub bunt
und der Himmel blau.
Vögel höre ich singen
und Kinder lachen,
auch ohne dich.

Doch wenn die Kälte kommt,
werden die Menschen stumm.
Meiner Trauer ziehe ich
einen Mantel an,
denn der Nordwind
zerfetzt meine Gedanken.

Mit den weißen Flocken
kommt die Stille.
Ohne Sprache bin ich
und ohne eine Spur,
der ich folgen kann.
Und ohne dich.

Doch wenn die Sonne wieder aufgeht,
sehe ich dein Gesicht über dem Eis.
Und immer wenn der Schnee
dein Lächeln verwischt,
male ich unsere Namen auf ihn
und mitten ins Herz.
Gegen das Vergessen.

<© Jörg Zschocke>


Mittags bei -3°

Dort, wo der Wind
den Morgenschnee
in Strähnen legte,
scheitelt matter Asphalt
den Winter.

Letzte Frostschauer
streichen über
seine grauweißen Schläfen.
Die Kälte
altert.

<© Elke Kaminsky>


schnee von gestern

.
der schnee von gestern
schmilzt
nicht spurlos

.
<© Monika Reinfurt>


NAHE DEM GLÜCK

Wachsamkeit liegt in der eisigen Luft – begegne dem Schnee. Sinnliche Düfte schweben durch die Lüfte.

Heilig ist die Zeit mit dir, die Wärme umhüllt mich schweigend. Lasse mich fallen, in die Arme der Liebe.

Eine stille Flamme brennt mehrere Stunden. Und so treibe ich dahin – nahe dem Glück.

<© Xenia Hügel>


Lichtträger

Der Himmel duckt sich tief
taucht den Wald ins Schattenblau
kein Sonnenstrahl beleuchtet
die Zweige kahler Bäume
nur Schnee trägt Licht auf

<© Silbia>


Schnee

ich finde mich wieder in dieser langen dämmerung stille sehnt mein herz ist angekommen wie das land sich schweigend breitet nebel licht das nicht zum leben reicht unmerklich wächst kerzen schimmer allenorten und aus dem wolkengrau fällt sacht stunde um stunde schnee

<© Isabella Kramer>


[schneeweiß]

der himmel legt sein leichentuch über die erde
frau holle macht überstunden
herr holle indes nimmt reißaus
fliegt er mit seiner geliebten in den süden
ins land des ewigen frühlings
ins land der klavierstimmer
die blockflöte spielen lernen
schneeweiß
werden seine haare
auch dort

<© Werner Weimar-Mazur>


Winterflockenflüge

Im Schneegestöber geht zu Ende
was als Blütenmeer begann
und sich nun in Kinderhände
(bis zum Frühjahrsneuanfang)

für ein Winterschläfchen legt,
wo es die Last vieler Schichten
flachliegender Flocken trägt.
Im Dunkel dieses dauerdichten

Raumes, wo sich nichts mehr regt,
wächst klammheimlich im Verzichten
Neues, das nun aufwärts strebt.
Um die Winterwelt zu lichten

bricht es all die weißen Wände
und nimmt voller Tatendrang
Farbe bunter Frühjahrshände
leidenschaftlich in Empfang.

<© Simon Felix Geiger>


schneezeit

wenn der wald stille erntet
und die erde lautlosen schnee
löst das winterwort
sein versprechen ein

<© Gabriele Pflug>


Schneewunderland

Nach dem Schneesturm-Chaos
blieb die Schneewüste zurück.
Und mit ihr verschwand das Glück
aus ihrem Herzen.
Kalt und dunkel.
Einsam und leer.
Am Ertrinken im Schneewüstenmeer.
Die Tränen verschmelzen mit dem glitzernden Weiß.
In ihrem Herzen wird es trüb und leis´.
Schweigend.
Sehnend.
Schmerzend.
Stumm.

Komm wir gehen!
Komm wir gehen, nimm meine Hand.
Komm wir gehen durch das Schneewunderland.
Wunder lachst du, gibt es nicht.
Doch mach´ die Augen auf,
ich enttäusche dich nicht.

Komm wir spielen!
Komm wir spielen,
ich zeige dir neue Leichtigkeit.
Lass uns entdecken, was zu leben heißt.
Denn zu leben ist Wunder-voll.

<© Julie Greiner>


Glaskontainerblues

Unter meinen Schritten knirscht der Schnee.
Kristallen bricht das Eis der Pfützen.
Mit dem Nebel tanzt der Atem.

Mein Hund ist nicht zu sehen.
Geschäftig läuft er durch das Weiß.
Raben krächzen in den Wintermorgen.

Jemand füttert unsichtbar weiße,
braune, grün geschminkte Mäuler.
Glas trommelt an metallene Wände.
Bis es splitternd bricht,
spielen die nimmersatten Bäuche
dumpf den Kontrabass.

Fassbar fast danach die Stille.
Nur unter meinen Füßen
singt der Schnee.

<© Barbara M. Hauser>

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Julie sagt:

    Gegen Ende des Monats werde ich ja so ungeduldig endlich wieder die neuen Beiträge von euch zu lesen. Ich halte mich gerne im Café auf, wenn auch lieber mit einem Tee oder heißer Schoki ;-). Ihr findet Worte, die ich nie aneinanderreihen könnte, die aber so viel tieferen Sinn und Ausdruck verleihen. All die Metaphern, die nachdenklich stimmen. Innehalten und nochmal lesen. Neues entdecken.

    1. Hallo Juli,schön wieder was von Dir zu lesen. Du bist Dir treu geblieben seit „Lebensfarben“. Es gibt viel „Düsteres oder Tränen und Schmerz“ aber es gibt Hoffnung, Zuversicht…Wünsche Dir das der hoffnungsvolle Teil immer mehr wird … Herbert von Rheinfelden

  2. Silbia sagt:

    Eine feine Sammlung! Hier gehen die Gedanken gern mit den Worten im Schnee spazieren. Dank daür!

    Beste Grße,
    Silbia

  3. wunderbare gedichte versammeln sich hier im café!
    ich freue mich, mit euch zusammen hier sein zu dürfen.
    danke, jörg!

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