Licht

April 2018

https://poetenstube.files.wordpress.com/2017/11/201802b.jpg

Das Licht legt in einer Sekunde 300 000 Kilometer zurück. Diese Geschwindigkeit stellt eine unüberwindbare Grenze für die Bewegung von Masse und für die Übertragung von Energie und Information im Universum dar.

Ein Licht, das von innen her leuchtet, kann niemand löschen. (aus Kuba)

Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. (Genesis)

Dann sprang die blinde Prinzessin auf, umschlang den Schweinehirt mit ihren Armen und rief laut: „Ich sehe, ich sehe!“ (Märchen aus Siebenbürgen)


unendlich(t)

alltag aufgeschultert
kreuzlast untragbar
menschenkraft endlich
am gipfel geschlagen
durchbohrt doch getragen
von der ohnmacht
ins licht

<© Simon Felix Geiger>


Aufschub

Noch können wir
das Wort wegschweigen,
mit den Lippen

verbergen,
uns im Atem der Wiese
nach Süden fühlen,

im Schatten von Kampfflugzeugen
das Heu einfahren
für den Winter,

wenn Gedanken das Licht löschen,
beieinander liegen
auf dem weich
geschwiegenen Grund.

<© Sigune Schnabel>


Ende März

Verspielt ringen
Sonne und Schatten
miteinander
um einen Platz
zwischen den Bäumen.

Den Stamm sprenkeln
Tupfen von Moosgrün
und das Licht spinnt
aus Buchenlaub
leuchtendes Blattgold.

Der Lenz ziert sich,
Winde gefrieren
nicht nur Hände.
Noch ist es kalt
auf deinen Wegen.

Doch längst weißt du:
Nach allen Wintern
wärmen Farben.
Der bunte Specht
wird wieder klopfen.

<© Elke Kaminsky>


Von Anbeginn

Du bist mir Himmel, das Universum
…bist Stern und Traum mir in der Nacht

Du bist die Zuversicht, die Hoffnung
…bist Sonne, Herz und Seele mir

Du schenkst das Licht
Das Meer, auf dem ich gleite

Und das große Wunder
Das man Leben nennt

<© Sabine Fenner>


Auf der Suche nach…

Dem Frieden verbunden, zur Kriegerin geformt.
Südlich – emotional geboren, Heilung nicht inbegriffen.
Geborgenheit wurde hier keine Sicherheit, die Innenschau zu einer vergangenen Last.
Die Wärme des Nachmittags, das offene Kind für jene Zeit im Süden.
Auf der Suche nach Licht, in herzlicheren Regionen.
Mit Visionen und Kraft zur wahren Lebensfreude. Es war ein Morgen im Frühling an dem ich neu geboren wurde.

<© Xenia Hügel>


licht des frühlings

von winterschweren lidern
fällt zartflockig
letzter schnee

aus den tiefen
abgelebter tage
fließen verse voll

von fern ein
leiser harfenton
von schweigen gefiltert

gebrochene gedanken
wecken schlafende bilder
und bauen ein neues haus

das licht des frühlings
züngelt am glück
solange du bei mir bist

<© Jörg Zschocke>


skizze

mitten im leben scheint wenig zeit durch die zeilen stehl ich mich davon um ein paar worte ans licht zu holen:
baum zum beispiel und
sanftheit

<© Diana Jahr>


licht

licht
in der lichtlosen zeit

wo es finden
wenn nicht in deinen augen
strahlend
in deinem lächeln
verstreut
einfach so

<© Monika Reinfurt>


Dunkelheit durchbrechend

Lautlos erreichst du mich
In veränderlichen Nuancen
Charmant und wärmend
Hilfst du mir mich zurechtzufinden
Tief die Dunkelheit durchbrechend

<© Silbia>


im ersten licht

im ersten licht erblühen dächer
auf dem marktplatz, in vorgärten
junge hunde, ein morgenmensch
spricht mit seinen katzen
prüft die biegsamkeit der halme
jetzt im glitzernden aufbruch
in der ankunft der hellen blüten
im meer der wiedergeburt
von möglichkeiten

<© Gabriele Pflug>


ein leben

dem blau verschrieben
straßen aus licht entdeckt
gemalt und erwandert
wellen durchschwommen
besiegt und zerrieben
und wieder im licht
geboren

dem blau zugeflossen
jahr um jahr gesammelt
hoffnung und tränen
vergossen
der stille erst nahrung
dann inhalt gegeben
verloren

wir nehmen es an
komm schreib uns ins blau
die tage sind brüchig
das licht mag nicht reichen
mag sein das ist alles
doch es ist unser leben

<© Isabella Kramer>


mondmund

der mondmund schluckt die dunkelheit
aus dem mondmund spricht licht
in der mondmundnacht lieben wir uns
bis zur dunkelheit bis zum licht
am morgen wenn der mondmund verschwindet
auch der mond mund himmel

<© Werner Weimar-Mazur>


Vielfarbig wie der Regenbogen

Ob im Schatten der Platane am Marktplatz,
bei einem Spaziergang um den kleinen See im Park,
den unvorstellbaren Weiten des Blogs …

Wir wachsen mit dem Wort.

„Fliessende Lichtdiamanten, aus den Kernkräften
des Menschen geschliffen“, sagst Du.

„Beschenkt von ihnen“, sage ich.

Gespräche unter dem Himmelszelt
in immer neuen Facetten …

<© Barbara M. Hauser>


Mehr als Asche

Sie schaut in den Spiegel, er widerspiegelt ihre Asche,
ihr verbranntes Herz, das sie zitternd in den Händen hält.
Die Tränen tropfen in die letzte Glut, bis sie schlussendlich ganz erlischt.
Und mit ihr das Licht in ihren Augen.

Zu viele haben mit ihrem Feuer gespielt, das einst so leidenschaftlich brannte.
Sie haben ihre Leidenschaft erbarmungslos ausgenutzt, haben sie ausgesaugt,
sie von links nach rechts gestoßen
und als es ihr dann immer schlechter ging, haben sie feige weggeschaut.

Sie macht sich Vorwürfe nicht genug gegeben zu haben, den Erwartungen nicht genügt zu haben.
Und gleichzeitig dafür, dass sie ihr Herz nicht bewahrt hatte.
Nun steht sie da, vor diesem riesigen Spiegel, fühlt sich so klein, bedeutungslos, – tot.
Dunkelheit und Schwere füllt den Raum.
Weinend bricht sie zusammen.
Die Asche ihres verbrannten Herzens liegt auf dem Boden zerstreut.
Ihre Hände leer und in ihrer Brust ein klaffendes Loch.
Die Kraft für einen letzten, verzweifelten, schmerzzerreißenden Schrei.
Ein wages, kaum mit Hoffnung gefülltes Lauschen in die Stille –
Mehr ein Warten auf den physischen Tod.

Da! Schritte! Sanft und leicht.
Er hat ihr Schreien durch die Wand, die sie trennte, gehört,
ihren Schmerz gefühlt, mit ihr geweint und gelitten.
Zielstrebig betritt er nun den Raum.
Und während er sich ihr nähert erhebt sich die Asche und weht davon.
Licht durchbricht die Dunkelheit, breitet sich aus, bis das Schwarz ganz erstickt.
Er beugt sich nieder, füllt ihre Hand mit der seinen, sodass sie nicht mehr leer ist.
Er schenkt ihr ein neues, wunderschönes Herz,
implantiert es sachte in ihrer Brust, wo soeben das Loch noch klaffte.
Er haucht ihr neuen Lebensatem ein.
Ihre Augen öffnen sich, Kraft strömt durch ihren Körper.
Sie erhebt sich langsam.
Nimmt die neue Identität an, die er ihr durch das neue Herz schenkt.
Und sie weiß:

Sie ist mehr als die Asche aussagt,
denn wenn er kommt, weht sie davon.
Sie ist nicht mehr dieselbe, wenn er sie ansieht,
denn er sieht nicht nur ihr verbranntes Herz,
sondern schon die Rose, die mehr und mehr aufblühen wird.

Und wird die Nacht auch erneut hereinbrechen,
so wird es durch ihn hell sein, trotz der Finsternis.
Und wenn sich ihre Schwachheit in ihr breit machen möchte,
so wird sie ihr zur Gnade werden.
Mögen ihre Linien krumm erscheinen,
so ergeben sie am Ende doch eine gerade Linie.

Scherben werden fallen, doch er wird kommen
und sie zu einem kunstvollen einzigartigen Mosaik zusammenfügen.
Mit jedem Fehler wird ihr seine Liebe noch mehr offenbart.
Und am Ende ihres Lebens werden drei Punkte gesetzt.
Sie stehen für den Anfang und nicht etwa für das Ende.
Denn wenn ihr Herz aufhört, das Blut durch die Venen zu pumpen
und ihr Atem stoppt, fällt sie ganz gewiss in seine starken Hände
und wird leben, fort und fort.

<© Julie Greiner>

Advertisements

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anna-Lena sagt:

    Ich wünsche euch eine lichtvolle Zeit und ein schönes Osterfest.

    Mit herzlichen Grüßen
    Anna-Lena

  2. Julie sagt:

    …wenn man bis Mitternacht aufbleibt, um zu sehen ob die Texte vielleicht schon online gehen (was ich keines Falls um diese Zeit erwarte, auf die paar Stunden kommt es nun wirklich nicht an!). Nur so neugierig bin ich! Unglaublich gespannt welch Reichtum und Unterschiedlichkeit wieder wartet… Ein neuer Monat, in dem neue Impulse wirken dürfen, immer wieder neu. Es macht Freude mit euch unterwegs zu sein und teilhaben zu dürfen.
    Von Licht geprägte Tage und frohe Ostern!

  3. lieber jörg,
    sehr schön, wie du diese seiten immer wieder gestaltest und mit welcher hingabe du dich darum kümmerst!
    auch das lesen der gedichte bereitet mir große freude und sie sind mir inspiration!
    liebe grüße
    gabriele

  4. Silbia sagt:

    Das Hintergrundbild symbolisiert das Licht wunderbar und die feinen Texte, die ich hier lese sind facettenreich wie das Licht selbst!

    Beste Grüße,
    Silbia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.