Trauer

November 2017

Über die Trauer

Sturm und Dunkelheit

Gedanken aus einer anderen Welt


Widmung

Sie warfen Blumenkränze aufs Meer
Die Segel sagen noch lange dein Lied

Nun ist es still geworden
Du verneigst dich

Nicht alles ging verloren
Ein Herz blutet noch

Schwalben fliegen tief

<© Sabine Fenner>


IMMER DA

Manchmal sehe ich dich in den Wolken.
Manchmal entdecke ich dich in einem fremden Land.
Manchmal fühle ich dich hinter mir.
Manchmal hältst du mir die Hand.
Manchmal lasse ich deine Songs erklingen.
Manchmal feiere ich dich und blicke tief ins Glas.
Ich vermisse dich nie manchmal,
du bist immer da.

<© Xenia Hügel>


Abschied

Weinend nehme ich Ihren Arm
Sanft, schwach
Küsse mich langsam mitten in der schwarzen Nacht
Lebenszeit vergeht
Gehe leicht in Seinen Frühling
Schön
Glücklich
Licht scheint purpur

<© Julie Greiner>


Alter

Leer das alte Gartenhaus.
Im Teich keine Bilder mehr.
Die rostige Laterne flackert.
Das Schild am Tor unlesbar.

Der Novemberwind scheucht
auch dieses Jahr hinweg,
ins Reich des Vergessens,
wo es kein Zurück mehr gibt.

Tief drinnen war er ein Wanderer
beharrlich und ohne Angst.
Warum nur nahm er immer
den langen Weg nach nirgendwo?

Grüble nicht darüber nach.
Er braucht keine Wegweiser mehr.
In seiner Welt ohne Horizonte
wird immer Frühling sein.

Höre auf die Geräusche der
umgeschlagenen Kalenderblätter
und öffne die Tür, wenn er klopft
denn du hast ihn geliebt.

<© Jörg Zschocke>


ZeitenNacht

… und mit dem Dämmer schwand das Licht.
Mehr und mehr verliert sich unsere Spur.
Die Gedanken tanzen unbedacht
von Grau bis Anthrazit.

***

Zur Orientierung webe ich
mit hellem Silber Wort für Wort
Sterne in den Mantel der Nacht.

<© Barbara M. Hauser>


Endlos

und trägt der Wind
mir flüsternd
deinen Namen zu

spielt sanft mit
meinem Haar
wie damals deine Hände

dann steh ich stundenlang
am Meer, find wie die
Wellen keine Ruh

du sagtest, warte dort auf mich
und gingst – ich blieb
Sturmmöwen sterben nicht an Land

<© Isabella Kramer>


herbstgelicht (shelter)

für mo
(in memoriam)
du weißt schon
wie wir die pferde fütterten
mit äpfeln und worten
zwischen verwegenen wäldern
und wie dein herz sich weitete
im noch fülligen grün
dort, wo die göttin
uns an die hand nahm, dort
hätt ich dich gern
ins moos gebettet
ganz nah am puls
der erde

<© Diana Jahr>


Vergänglichkeit

die Zeit geht ein und aus
so wie mein Atem Glas
beschlägt und trübt

es wird nicht leichter mit den Wintern
bricht die Haut mehr und mehr
verschwimmen Stimmen aus der Nacht herüber

im Zimmer rücke ich den Stuhl zurecht
und bücke mich nach einem Faden Licht
der durch den Türspalt rinnt

<© Gabriele Pflug>


Frohsinn

Tränen tragen sich
bis in die Ohren
Schaudern zieht sich
die Arme entlang

Lachfalten schweigen
seit Jahren verfroren
Taubstumme trommeln
Gehörgangsgesang

Schreie erklingen
aus klaffenden Poren
kein lichter Moment
kein lockender Klang

mein Frohsinn
wurde weinend geboren
ich lache im Herzen
ohne jeglichen Zwang

<© Simon Felix Geiger>


Schwermut

In den Wäldern
fällt die Zeit
vom Geäst.
Ich fange sie
mit meiner Kleidung
und trage schwer
an deiner Stimme,
die noch immer
in den Tagen ruht.

Am Abend wasche ich
den Stoff mit deinem Schweigen
im großen Fluss.

Nur langsam löst sich
dieser alte Duft.

<© Sigune Schnabel>


Die Schwarznäherin

die Schwarznäherin
flickt rasch mit feinem Rosengespinst
das tiefe Loch
in dem sich ihr Herz verlor

rasch

bevor ein neues Loch
sich auftut und gefüllt sein will
mit dem grobem Geweb
der Trauer

<© Monika Reinfurt>


trauersymmetrie

an einen oktobertag erinnere ich mich noch
es war kalt die pfützen gefroren
saßen wir in der dämmerung auf dem uniparkplatz im auto
und steckten uns die ringe an
blätter schwebten über den harten erdboden
(wie liebten wir den sommer den süden)

an zwei novembertage erinnere ich mich
es war warm die sonne schien
durch das offene klinikfenster
verdampften die herbstfarben über dem sterbebett
mutters stimme flüsterte die rückkehr der zugvögel herbei
(wie strichen unsere hände den raureif glatt)

<© Werner Weimar-Mazur>

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